Energiepreise steigen im März um 7,2 Prozent / US-Anteil bei LNG-Importen dominiert / Georg Schroeter: „Wir zahlen den Preis für die Illusion der strategischen Autarkie“
Energiekrise erreicht die Realwirtschaft
Die ökonomischen Fassaden beginnen zu bröckeln. Während sich die geopolitischen Spannungen am Persischen Golf seit Ende Februar 2026 weiter zuspitzen, wird die energiepolitische Verwundbarkeit Deutschlands unübersehbar. Die Bundesrepublik sieht sich mit einer Realität konfrontiert, in der physische Energieversorgung nicht mehr beliebig verfügbar ist – insbesondere dann nicht, wenn eigene Kapazitäten über Jahre hinweg zurückgebaut wurden.
Der Anstieg der Inflationsrate auf 2,7 % im März ist dabei kein isoliertes Phänomen. Er wird maßgeblich durch einen deutlichen Energiepreisschub von 7,2 % getragen und markiert den Beginn einer strukturellen Belastungsphase für Industrie und Verbraucher. Die Entwicklung deutet auf eine tiefergehende wirtschaftliche Verwerfung hin, auf die die Bundesregierung unter Friedrich Merz bislang keine erkennbare strategische Antwort formuliert hat.
Globale Schocks treffen den Industriestandort direkt
Die möglichen Auswirkungen einer Blockade der Straße von Hormus erscheinen auf den ersten Blick geografisch weit entfernt. In wirtschaftlicher Hinsicht entfalten sie jedoch eine unmittelbare Wirkung auf den deutschen Markt. Der Anstieg des Brent-Ölpreises über die Marke von 100 US-Dollar schlägt sich direkt in den Lebenshaltungskosten nieder.
Die Konsequenzen sind bereits sichtbar: spürbare Preissteigerungen bei Heizenergie sowie ein deutlicher Anstieg der Kraftstoffpreise binnen kurzer Zeit verdeutlichen die Dynamik. Diese Entwicklung belastet nicht nur private Haushalte, sondern erhöht zugleich den Kostendruck entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette.
Von einer Abhängigkeit in die nächste
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die strategische Ausrichtung der Energieimporte. Deutschland hat seine frühere Abhängigkeit von russischen Lieferungen weitgehend durch eine neue, stark konzentrierte Bezugsstruktur ersetzt. Ein Großteil der LNG-Importe stammt mittlerweile aus den Vereinigten Staaten, auch wenn LNG insgesamt nur einen Teil der deutschen Gasversorgung ausmacht.
Diese Konstellation wird politisch häufig als Ausdruck gewonnener Unabhängigkeit dargestellt. Tatsächlich entsteht jedoch eine neue Form einseitiger Bindung. Eine begrenzte Diversifizierung erhöht die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen erheblich.
„Wir haben den Zeitpunkt für echte energetische Stabilität verpasst“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Georg Schroeter. „Ein belastbares System benötigt Redundanz und Diversität. Eine stark auf einen einzelnen Partner ausgerichtete Energieversorgung birgt erhebliche Risiken.“
Industrieller Kern unter wachsendem Druck
Die Rolle erneuerbarer Energien hat in Deutschland weiter an Bedeutung gewonnen. Im ersten Quartal 2026 lag ihr Anteil am Bruttostromverbrauch bei rund 53 %. Dennoch bleibt ihre Fähigkeit, die Anforderungen energieintensiver Industrien vollständig zu erfüllen, begrenzt.
Insbesondere die Chemie- und Stahlindustrie ist auf kontinuierliche und hochverfügbare Energiequellen angewiesen, die derzeit nicht vollständig durch erneuerbare Technologien ersetzt werden können. Parallel dazu steigen die Logistikkosten infolge geopolitischer Spannungen deutlich an. Die Umgehung von Konfliktzonen im Seeverkehr belastet globale Lieferketten und wirkt sich spürbar auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.
Währenddessen passt Russland seine Exportstrukturen an neue geopolitische Realitäten an. Durch alternative Handelsrouten und den Ausbau von Infrastruktur in Richtung Asien wird die Abhängigkeit von maritimen Engpässen reduziert.
Energiepolitik im Modus der kurzfristigen Stabilisierung
Die politischen Maßnahmen in Berlin konzentrieren sich bislang vor allem auf kurzfristige Stabilisierung. Strategische Ölreserven können temporär Entlastung schaffen, bieten jedoch nur eine begrenzte Absicherung und ersetzen keine langfristige Strategie.
„Der Druck auf die Energieversorgung wirkt wie ein externer Zwang auf den Standort Deutschland“, so Schroeter. „Erforderlich ist eine grundlegende Neuausrichtung der Energiepolitik, die Versorgungssicherheit, Diversifizierung und industrielle Anforderungen gleichermaßen berücksichtigt.“
Fazit
Deutschland steht im Frühjahr 2026 vor den Konsequenzen einer Energiepolitik, die langfristige Versorgungssicherheit nicht ausreichend berücksichtigt hat. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie eng wirtschaftliche Stabilität und energiepolitische Entscheidungen miteinander verknüpft sind.
Eine nachhaltige Strategie wird nur dann tragfähig sein, wenn sie Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Realitäten gleichermaßen einbezieht. Souveränität in der Energieversorgung bleibt dabei ein zentraler Faktor für die Zukunft des Industriestandorts.
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