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Georg Schroeter

Industriestandort Deutschland im Leerlauf: Die Wirtschaftswende bleibt aus

Neue Zahlen zeigen: Der Industriestandort Deutschland kommt nicht vom Fleck / Produktion sinkt, Nachfrage schwächelt, Kosten steigen / Georg Schröter: „Wer den Standort retten will, muss Energiepreise, Bürokratie und Steuerlast endlich senken“

Industriestandort Deutschland wartet weiter auf die Wirtschaftswende

Der Industriestandort Deutschland wartet weiter auf die angekündigte Wirtschaftswende. Während die Bundesregierung von Aufbruch, Modernisierung und neuer Wettbewerbsfähigkeit spricht, zeigen die aktuellen Daten ein deutlich nüchterneres Bild: Die deutsche Industrie kommt kaum voran. Der viel beschworene Neustart bleibt bislang vor allem ein Regierungsversprechen.

Nach aktuellen Erhebungen zur deutschen Industrie hat sich die Lage im Mai erneut eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag nur noch knapp über der Wachstumsschwelle. Neue Aufträge und Exportverkäufe gingen zurück, die Dynamik der Produktion ließ nach. Gleichzeitig belasten schwächere Nachfrage, steigende Kosten und geopolitische Unsicherheit die Betriebe. Hinzu kommen aus Sicht vieler Unternehmen die bekannten Standortprobleme: Energiepreise, Bürokratie und hohe Abgaben. Von einem echten industriellen Aufschwung kann keine Rede sein.

Produktion sinkt, Auftragseingänge bleiben unsicher

Auch die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes passen nicht zur Erzählung einer beginnenden Wende. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe sank im März 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Besonders deutlich zeigten sich Belastungen in einzelnen Industriebereichen und bei der Energieerzeugung.

Zwar stiegen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im März um 5,0 Prozent. Doch ein einzelner positiver Monatswert reicht nicht aus, um von einer stabilen Trendwende zu sprechen — zumal die Produktion im selben Monat rückläufig war.

Schröter: Standort Deutschland braucht Entlastung statt Ankündigungen

Für Georg Schröter ist die Entwicklung ein weiteres Warnsignal. „Deutschland braucht keine neuen Ankündigungen, sondern endlich eine Politik, die den Standort wieder wettbewerbsfähig macht. Hohe Energiepreise, ausufernde Bürokratie und eine immer schwerere Steuer- und Abgabenlast treiben Unternehmen nicht in die Zukunft, sondern aus dem Land“, erklärt Schröter.

Die Bundesregierung unter Friedrich Merz hatte einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel versprochen. Bürokratieabbau, Entlastung des Mittelstands, bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und eine Stärkung der Industrie standen im Raum. Doch gut ein Jahr nach Amtsantritt zeigt sich: Vieles bleibt im Stadium der Überschrift. Der Industriestandort Deutschland wird weiter verwaltet, nicht entfesselt.

Mittelstand leidet unter Stromkosten, Bürokratie und Steuerdruck

Gerade der Mittelstand spürt diese Entwicklung täglich. Wer produziert, investiert oder Personal halten will, kämpft nicht mit abstrakten Kennzahlen, sondern mit realen Belastungen: Stromkosten, Netzentgelte, Berichtspflichten, Fachkräftemangel, Steuerdruck und Unsicherheit über künftige Regulierungen.

Während andere Länder um Industrie werben, behandelt Deutschland seine Unternehmen zu oft wie Störfaktoren, die man mit Auflagen, Formularen und Klimavorgaben überzieht. Für den Industriestandort Deutschland ist diese Entwicklung fatal.

Energiepolitik bleibt Kernproblem für die deutsche Industrie

Besonders problematisch bleibt die Energiepolitik. Eine Industrienation braucht verlässliche und bezahlbare Energie. Stattdessen hat Deutschland ein System geschaffen, in dem der Staat immer neue Ausgleichsmechanismen, Zuschüsse und Sondertöpfe benötigt, um die Folgen der eigenen Politik abzufedern.

Wer erst die Kosten politisch in die Höhe treibt und sie anschließend mit Steuergeld teilweise kaschiert, schafft keine Wettbewerbsfähigkeit. Er verschiebt nur die Rechnung.

Sinkende Exportverkäufe sind ein Warnsignal

Dazu kommt die außenwirtschaftliche Unsicherheit. Sinkende Exportverkäufe sind für ein Land wie Deutschland kein Randproblem, sondern ein strukturelles Warnsignal. Die deutsche Wirtschaft lebt von industrieller Stärke, technologischem Know-how und internationaler Nachfrage.

Wenn diese Basis bröckelt, geht es nicht nur um einzelne Betriebe. Es geht um Arbeitsplätze, Wohlstand und die Finanzierung des Sozialstaates.

Transformation ersetzt keine Rentabilität

Die Regierung spricht gerne von Transformation. Doch Transformation ersetzt keine Rentabilität. Unternehmen investieren nicht, weil Ministerien schöne Programme auflegen, sondern weil sich Investitionen rechnen. Dafür braucht es stabile Rahmenbedingungen, niedrige Energiepreise, weniger Bürokratie, verlässliche Steuern und eine Politik, die Leistung nicht behindert, sondern ermöglicht.

Schröter warnt deshalb vor einer gefährlichen Selbsttäuschung: „Deutschland darf sich nicht an Stagnation gewöhnen. Wenn die Industrie nur noch knapp über der Nulllinie steht, ist das kein Erfolg, sondern ein Alarmzeichen. Der Standort braucht keine weiteren Sonntagsreden, sondern eine echte Entlastungsoffensive.“

Industriestandort Deutschland braucht jetzt eine echte Wende

Die Zahlen der vergangenen Wochen zeigen deutlich: Der wirtschaftliche Motor Deutschlands läuft nicht rund. Er stottert. Und solange die Bundesregierung die Ursachen nicht angeht, wird sich daran wenig ändern.

Eine echte Wirtschaftswende beginnt nicht mit neuen Förderprogrammen, sondern mit der Rückkehr zu einfachen Grundsätzen: bezahlbare Energie, weniger Staat, weniger Bürokratie, mehr Freiheit für Unternehmen.

Deutschland war stark, weil es produziert, entwickelt, exportiert und investiert hat. Diese Stärke darf nicht weiter durch politische Fehlsteuerung geschwächt werden. Wer den Industriestandort Deutschland erhalten will, muss jetzt handeln. Nicht irgendwann. Nicht nach der nächsten Kommission. Sondern sofort.

 

 

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