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Georg Schroeter

Deutschlands Industrie unter Druck: Die Substanz schwindet

24.064 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 / Höchster Stand seit 2014 / Produktion zeigt erste Stabilisierung, doch strukturelle Standortprobleme bleiben / Georg Schroeter: „Industriepolitik muss wieder Standortpolitik werden“

Deutschlands Industrie steht an einem entscheidenden Punkt. Nach Jahren wirtschaftlicher Schwäche zeigen einzelne Konjunkturdaten erstmals wieder nach oben. Die Produktion hat sich zuletzt etwas stabilisiert, die Auftragseingänge steigen und die Auftragsbücher sind gut gefüllt.

Doch Stabilisierung ist noch keine Gesundung.

2025 registrierten die deutschen Amtsgerichte 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine höhere Zahl hatte Deutschland zuletzt 2014 verzeichnet. Gleichzeitig bleiben zentrale Probleme des Industriestandorts ungelöst: hohe Standortkosten, Steuern und Abgaben, Bürokratie, langwierige Genehmigungsverfahren und wirtschaftspolitische Unsicherheit.

Für den AfD-Bundestagsabgeordneten Georg Schroeter ist deshalb gerade jetzt der falsche Zeitpunkt für wirtschaftspolitische Selbstzufriedenheit.

„Deutschland ist noch immer eine der bedeutendsten Industrienationen der Welt. Aber diese Stärke ist kein Naturgesetz. Ein paar bessere Monatszahlen ersetzen keine Standortpolitik. Wer unsere industrielle Substanz erhalten will, muss dafür sorgen, dass sich Produktion und Investitionen in Deutschland dauerhaft wieder rechnen“, erklärt Schroeter.

Die Pleitewelle ist kein normaler Ausschlag mehr

Die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen zeigt, wie stark viele Betriebe unter Druck stehen.

2025 wurden 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das waren 10,3 Prozent mehr als 2024. Bereits in den beiden Vorjahren war die Zahl jeweils um mehr als 20 Prozent gestiegen: 2024 um 22,4 Prozent und 2023 um 22,1 Prozent.

Damit erreichten die Unternehmensinsolvenzen 2025 den höchsten Jahresstand seit 2014. Die von den Gläubigern angemeldeten Forderungen beliefen sich auf rund 47,9 Milliarden Euro.

Das bedeutet nicht, dass Deutschland vor einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenbruch steht. Unternehmensinsolvenzen haben unterschiedliche Ursachen – von Managementfehlern und veränderten Märkten über Finanzierungskosten bis zu schwacher Nachfrage.

Aber drei Jahre mit stark steigenden Insolvenzzahlen sind ebenso wenig ein Phänomen, das die Politik als gewöhnliche Marktbereinigung abtun sollte.

„Eine Insolvenzstatistik erklärt nicht, warum jeder einzelne Betrieb scheitert. Aber wenn die Zahl der Firmenpleiten über Jahre deutlich steigt, muss die Politik die gemeinsamen Belastungen des Standorts untersuchen. Genau dort liegt ihre Verantwortung“, erklärt Schroeter.

Die Industrie zeigt Lebenszeichen

Zur vollständigen wirtschaftlichen Bestandsaufnahme gehören auch die positiven Daten.

Im Mai 2026 stieg die Produktion im Produzierenden Gewerbe preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die eigentliche Industrieproduktion – ohne Energie und Bau – nahm um 0,8 Prozent zu. Besonders die Automobilindustrie verzeichnete mit 3,6 Prozent einen deutlichen Monatsanstieg.

Auch von der Nachfrageseite kommen positive Signale. Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Mai um 1,9 Prozent gegenüber April und lag 6,2 Prozent über dem Vorjahresmonat. Selbst ohne Großaufträge betrug der Monatsanstieg noch 1,0 Prozent.

Noch deutlicher ist der Auftragsbestand: Er lag im Mai real 9,5 Prozent über dem Vorjahresmonat und stieg gegenüber April um weitere 1,7 Prozent. Besonders im Maschinenbau nahm der Auftragsbestand gegenüber dem Vormonat um 3,3 Prozent zu.

Das sind echte Stabilisierungssignale. Sie sollten weder kleingeredet noch politisch passend gemacht werden.

Aber Aufträge allein schaffen noch keine industrielle Erholung. Entscheidend ist, ob aus ihnen in Deutschland tatsächlich Produktion, Investitionen und langfristig sichere Arbeitsplätze entstehen.

„Dass die Auftragsbücher wieder voller werden, ist eine gute Nachricht. Entscheidend ist jetzt, ob diese Aufträge auch in Deutschland zu Produktion und Investitionen führen. Genau dafür müssen die Standortbedingungen stimmen“, betont Schroeter.

Stabilisierung ist noch keine Gesundung

Ein genauerer Blick auf die Produktionsdaten zeigt, warum Euphorie verfrüht wäre.

Obwohl die Produktion im Mai gegenüber April zunahm, lag die Industrieproduktion noch 1,0 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Produzierenden Gewerbe insgesamt stagnierte die Produktion gegenüber Mai 2025.

Deutschland bewegt sich damit zwischen ersten Erholungssignalen und weiterhin bestehenden strukturellen Problemen.

Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie, Elektrotechnik und tausende spezialisierte Zulieferer bilden industrielle Wertschöpfungsketten, die über Jahrzehnte entstanden sind. Sie sichern nicht nur unmittelbar Arbeitsplätze, sondern schaffen Nachfrage bei Dienstleistern, Handwerk und regionalen Betrieben.

Diese industrielle Substanz ist leichter verloren als wieder aufgebaut.

Als Diplom-Ingenieur sieht Schroeter darin ein grundsätzliches Problem: Ein System versagt selten an einer einzigen Belastung. Gefährlich wird es, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig wirken und vorhandene Reserven über Jahre aufgezehrt werden.

Energiekosten, Steuern und Abgaben, Bürokratie, Finanzierungskosten, Fachkräftemangel und wirtschaftspolitische Unsicherheit wirken für Unternehmen nicht unabhängig voneinander. Für einen Betrieb addieren sie sich zu Kosten und Risiken.

„Genau deshalb reicht es nicht, auf einen guten Produktionsmonat zu zeigen. Unsere Industrie braucht keine kurzfristige Erholung auf dem Papier, sondern Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen wieder für zehn oder zwanzig Jahre in Deutschland investieren“, erklärt Schroeter.

Subventionen ersetzen keine Standortpolitik

Die Antwort der deutschen Wirtschaftspolitik auf Standortprobleme besteht seit Jahren zu einem erheblichen Teil aus Förderprogrammen, Beihilfen und staatlichen Investitionsanreizen.

Damit entsteht ein grundlegender Widerspruch: Der Staat belastet Unternehmen durch Steuern, Abgaben und Regulierung und verwendet anschließend Steuergeld, um einen Teil dieser Belastungen für ausgewählte Unternehmen wieder auszugleichen.

Für Schroeter ist das auch haushaltspolitisch der falsche Ansatz.

Der Staat kann dauerhaft nur verteilen, was Bürger und Unternehmen zuvor erwirtschaften. Je stärker wirtschaftliche Entscheidungen von staatlichen Förderprogrammen abhängig werden, desto größer werden Verwaltung und politische Steuerung.

„Die beste Wirtschaftsförderung ist nicht der nächste Subventionstopf. Die beste Wirtschaftsförderung ist ein Standort, an dem ein Unternehmen auch ohne staatliche Dauerhilfe wettbewerbsfähig produzieren kann“, betont Schroeter.

Dazu gehören wettbewerbsfähige Energie- und Stromkosten, weniger bürokratische Berichtspflichten, schnellere Genehmigungsverfahren und Rahmenbedingungen, unter denen private Investitionen in Deutschland wieder attraktiver werden.

Deutschlands Stärke ist kein Naturgesetz

Deutschland verfügt weiterhin über eine industrielle Substanz, um die uns viele Länder beneiden. Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie, Elektrotechnik und spezialisierte Zulieferer verfügen über Know-how, Infrastruktur und Fachkräfte, die über Generationen aufgebaut wurden.

Die jüngsten Auftragseingänge zeigen, dass diese Industrie weiterhin wettbewerbsfähig sein kann.

Aber die vergangenen Jahre haben auch gezeigt, wie schnell ihre Reserven schwinden können. Pandemie und Lieferkettenprobleme, Energiepreisschock, Inflation, gestiegene Finanzierungskosten, schwache Nachfrage und geopolitische Unsicherheit trafen auf bereits bestehende hausgemachte Standortprobleme.

Nicht jede dieser Belastungen wurde in Berlin verursacht. Die Aufgabe einer Bundesregierung besteht aber darin, Deutschland gegenüber solchen Belastungen möglichst widerstandsfähig zu machen.

„Wir sollten uns über jeden Betrieb freuen, der wieder mehr produziert und investiert. Aber die Aufgabe der Politik ist nicht, bessere Monatszahlen zu feiern. Sie muss dafür sorgen, dass Deutschland auch in zehn Jahren noch ein führender Industriestandort ist“, fordert Schroeter.

Industriepolitik muss wieder Standortpolitik werden

Die Bundesregierung muss deshalb weg von einer Wirtschaftspolitik, die strukturelle Belastungen immer wieder durch neue Förderprogramme kompensiert.

Schroeter fordert wettbewerbsfähige Energiepreise, eine Entlastung bei Steuern und Abgaben, konsequenten Bürokratieabbau, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine kritische Überprüfung staatlicher Förderprogramme auf ihre tatsächliche Wirkung.

Die aktuellen Zahlen liefern dabei ein differenziertes Bild: Die Produktion stabilisiert sich, die Auftragseingänge steigen und die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Gleichzeitig liegen die Insolvenzen auf einem Niveau, das Deutschland zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt gesehen hat, und die Industrieproduktion liegt weiterhin unter dem Vorjahresniveau.

Gerade dieser Widerspruch sollte der Politik zu denken geben.

Deutschland braucht keine staatlich verwaltete Industrie. Es braucht einen Standort, an dem sich industrielle Produktion aus eigener Kraft wieder lohnt.

Wirtschaftliche Substanz verschwindet selten mit einem großen Knall. Sie erodiert Betrieb für Betrieb, Investition für Investition und Arbeitsplatz für Arbeitsplatz. Politik muss handeln, bevor aus einer schleichenden Erosion ein dauerhafter Verlust wird.

Zu anderen Beiträgen auf unserer Webseite:
https://www.georg-schroeter.de/aktuelles/

und meinen Reden im Deutschen Bundestag:
https://www.georg-schroeter.de/bundestag/reden/

 

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